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Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe

Ein Interview mit dem Leiter der Produktentwicklung von TePe

Kunststoff bietet viele Vorteile, aber auch einige Herausforderungen. Wir haben uns mit Patrik Werius, dem Leiter der Produktentwicklung bei TePe, über die Entwicklung und Zukunft eines kontrovers diskutierten Werkstoffs unterhalten.

– Ich bin davon überzeugt, dass es auch in 20 Jahren noch Kunststoff geben wird. Was die Anwendung, das Gewicht, die Qualität und die Hygiene betrifft, ist er einfach herausragend. Dies gilt insbesondere für medizintechnische Produkte. Doch das lineare Produktionsprinzip von heute ist überholt. Die technische Entwicklung hat die Grenzen dafür verschoben, was Kunststoff sein kann, nämlich ein wertvoller Rohstoff und kein Abfall. Wir arbeiten täglich an der Lösung dieser komplexen Probleme, sagt Patrik Werius.

"Die Massenbilanz ist ein wichtiger Baustein, um unser Ziel, bis Ende 2022 bei Produkten und Verpackungen klimaneutral zu werden, zu erreichen."

Patrik Werius, Leiter der Produktentwicklung bei TePe

Was war aus Ihrer Sicht als Leiter der Produktentwicklung ausschlaggebend für den Weg in Richtung Nachhaltigkeit bei TePe?

– Die Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) von TePe, mit der die Umweltauswirkungen unserer Produkt- und Verpackungsmaterialien ermittelt werden, spielte eine entscheidende Rolle im Entwicklungsprozess. Im Rahmen unserer Ökobilanz wurden neben dem Transport- und Ressourcenmanagement insbesondere die Bereiche Material und Ende der Produktnutzungsdauer als Verbesserungsbereiche hervorgehoben. Materialien boten den natürlichen Ausgangspunkt für mein Team, da dies ein Bereich ist, auf den wir direkten Einfluss nehmen können. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Herausforderung anzunehmen, fossile Materialien in unserer Produktion schrittweise abzuschaffen.

 

Und dann fiel die Entscheidung auf Biokunststoff aus Zuckerrohr als nachhaltige Option?

– Ja, denn Zuckerrohr war der bisher am meisten verfügbare nachhaltige Rohstoff. Allerdings können alle Formen von Biomasse, wie z. B. Lebensmittelabfälle, Algen und landwirtschaftliche Nebenprodukte, in Monomere umgewandelt werden, die wiederum die Bausteine von Polymeren, d. h. Kunststoffen, bilden. Eine Möglichkeit, Kunststoff schrittweise umweltverträglicher zu machen, ist die Verwendung eines Massenbilanz-Ansatzes. Dabei werden der Mischung während der Produktion Tallöl oder sonstige Biomasse-Polymere beigemischt. Die Massenbilanz ist ein wichtiger Baustein, um unser Ziel zu erreichen, bis Ende 2022 mit Produkten und Verpackungen klimaneutral zu werden.

 

Die Verwendung von Biokunststoff und das Massenbilanzverfahren lösen jedoch immer noch nicht die Frage des End-Of-Life (EOL), also die Frage, was mit den Produkten nach dem Ende der Nutzungsdauer geschieht?

– Nein, das stimmt so nicht. Auch wenn in unsere Ökobilanz eingerechnet wird, dass die Produkte verbrannt werden, was aus Sicht der globalen Erwärmung das Worst-Case-Szenario darstellt, folgt daraus nicht, dass sie tatsächlich auch in der Verbrennung landen. Leider landet immer noch viel Plastik in der Umwelt. Die Branche entwickelt sich nun jedoch von der linearen Produktion hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft durch die Einführung des sogenannten chemischen Recyclings oder Upcyclings.

 

Was ist an diesem Verfahren so revolutionär?

– Mit dem Upcycling können Kunststoffe auf molekularer Ebene recycelt werden, d. h. die Kunststoffpolymere werden in Monomere zurückverwandelt, um wieder verarbeitet und weiterverwendet zu werden. Es eignet sich für jeden Kunststoff, egal ob fossil oder biobasiert, und trägt nicht zur globalen Erwärmung bei, da wenn keine Verbrennung stattfindet, auch kein CO2 in die Atmosphäre abgegeben wird. Dabei ist jedoch wichtig, dass während des Prozesses erneuerbare Energien verwendet werden, damit dieser wirklich nachhaltig ist.

– Ein weiterer Vorteil ist, dass dadurch Produkten, die normalerweise aufgrund von Farbstoffen oder anderen Additiven nicht recycelt werden können, ein zweites Leben ermöglicht wird, und dann noch ein weiteres, und noch ein weiteres – sogar in lebensmitteltauglichen und medizinischen Produkten, wie z. B. bei den Mundgesundheitsprodukten von TePe. So werden aus bereits gebrauchten Kunststoffartikeln zunehmend begehrte Rohstoffe.

 

Das klingt sehr vielversprechend. Doch wenn die Technologie bereits verfügbar ist, warum wurde sie dann noch nicht eingesetzt?

– Es laufen mehrere Projekte in der Kunststoff- und Recyclingbranche, durch die Upcycling weiter verbreitet werden soll. Es sind jedoch erhebliche Investitionen, Verpflichtungen und politische Initiativen erforderlich, um den Wandel zu beschleunigen.

– Dennoch bin ich optimistisch, dass der Massenbilanz-Ansatz zur Integration von biobasierten Materialien in bestehende Systeme in Kombination mit Upcycling die herausfordernde Fragestellung vom Ende der Produktnutzungsdauer (End of Life, EOL) lösen wird. Wir müssen unseren Wissensstand als Produzenten und Konsumenten überprüfen, neu erlernen und damit beginnen, Abfall als Ressource zu betrachten und nicht nur als Müll, der auf der Deponie oder in der Verbrennungsanlage landet. So können wir alle einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen leisten.